Spielanleitung für Mieses Karma

Mieses Karma ist ein Kartenspiel, in dem Sterben nicht das Ende, sondern ein wichtiger Teil des Spielziels ist. Du beginnst als Ameise, sammelst Karma, legst passende Lebenskarten an und versuchst, in immer bessere Daseinsformen wiedergeboren zu werden. Am Ende zählt aber nicht nur, wer zuerst Mensch wird. Gewonnen hat, wer insgesamt die meisten Siegpunkte aus Karma, Punktestapel und Menschenkarte sammelt.

Gerade in der ersten Partie wirkt das Thema zunächst ungewöhnlich. In der Praxis ist der Ablauf aber gut verständlich, wenn du drei Dinge im Blick behältst: Du baust eine Lebenslinie aus passenden Karten, du wertest diese Linie beim Tod aus und du ziehst danach eine neue Wiedergeburtskarte entsprechend deinem Karma. Genau dadurch entsteht der besondere Rhythmus des Spiels.

Worum es im Spiel geht

In Mieses Karma versucht jeder Spieler, sein Wesen über mehrere Leben hinweg zu verbessern. Du startest als Ameise und arbeitest dich durch gutes Karma zu höheren Wiedergeburten hoch. Je besser deine Lebenslinie aufgebaut ist, desto mehr Karma und Punkte kannst du aus ihr herausholen.

Die eigentliche Besonderheit ist, dass ein Leben nicht möglichst lange dauern muss, um gut zu sein. Oft ist ein rechtzeitiger Tod sogar sinnvoll, weil du dadurch deine aktuelle Lebenslinie werten und mit besserem Karma in eine höhere Lebensform wechseln kannst. Das Spiel belohnt also nicht bloß langes Durchhalten, sondern kluges Timing.

Spielmaterial

Zum Spiel gehören:

  • Wiedergeburtskarten
  • Lebenskarten
  • Karmatableaus
  • Buddhafiguren

Die Wiedergeburtskarten zeigen die verschiedenen Lebensformen, vom niedrigen Startwesen bis zum Menschen. Die Lebenskarten bilden deine persönliche Lebenslinie. Auf ihnen sind verschiedene Symbole abgebildet, teilweise zusätzlich ein Buddha. Außerdem gibt es Joker und den Sensenmann.

Der Spielaufbau

Alle Wiedergeburtskarten werden nach ihren Stapeln sortiert und bereitgelegt. Die Lebenskarten werden gemischt und als Nachziehstapel in die Mitte gelegt. Jeder Spieler erhält:

  • 1 Ameisenkarte
  • 1 Karmatableau
  • 1 Buddhafigur
  • 2 Lebenskarten auf die Hand

Die Buddhafigur kommt zu Beginn auf die 0 des Karmatableaus. Danach wird ein Startspieler bestimmt.

Was deine Lebenslinie ist

Vor dir liegt im Laufe des Spiels eine Reihe aus Lebenskarten. Diese Reihe ist deine Lebenslinie. Neue Lebenskarten werden immer rechts an diese Linie angelegt. Dabei muss das linke Symbol der neuen Karte zum offenen Symbol deiner bisherigen Lebenslinie passen.

Genau dadurch spielt sich Mieses Karma ein wenig wie ein Dominospiel. Nicht jede Karte passt überall. Du musst also genau schauen, wie du deine Linie fortsetzt, damit sie nicht zu früh endet oder unpraktisch wird.

Die Symbole auf den Lebenskarten

Auf den Lebenskarten findest du normale Lebenssymbole, Joker, Buddhas und manchmal den Sensenmann.

Wichtig ist:

  • Normale Symbole müssen passend aneinandergelegt werden.
  • Ein Joker kann an jedes Symbol angelegt werden.
  • Ein Buddha bringt später Karma.
  • Nach einem Sensenmann darf keine weitere Lebenskarte mehr angelegt werden.

Der Sensenmann beendet also deine Lebenslinie. Das klingt zuerst nur schlecht, kann aber im richtigen Moment sehr nützlich sein, weil dein Tod die Wertung und eine neue Wiedergeburt auslöst.

So läuft ein Zug ab

In deinem Zug kannst du bis zu drei Dinge tun. Die Reihenfolge ist frei, aber eine Sache ist Pflicht, wenn du Handkarten hast.

Möglich sind:

  • genau eine Lebenskarte aus der Hand anlegen oder abwerfen
  • die Fähigkeit deines aktuellen Wesens einmal nutzen
  • die Mitspieler einmal um eine passende Lebenskarte bitten

Das Anlegen oder Abwerfen einer Karte ist verpflichtend, wenn du überhaupt noch Handkarten besitzt. Die Tierfähigkeit und das Fragen an die Mitspieler sind freiwillig.

Karten anlegen oder abwerfen

Wenn du eine passende Lebenskarte hast, darfst du sie rechts an deine Lebenslinie anlegen. Das linke Symbol der Karte muss dabei zum offenen Anschluss deiner bisherigen Linie passen.

Kannst oder willst du keine passende Karte anlegen, musst du stattdessen eine deiner Handkarten offen auf den Ablagestapel werfen. Du darfst also nicht einfach nichts tun, solange du noch Handkarten besitzt.

Dieser Punkt ist wichtig, weil viele in der ersten Partie glauben, man könne problematische Karten einfach behalten und abwarten. Das geht nicht. Irgendwann musst du eine Karte legen oder entsorgen.

Die Tierfähigkeit nutzen

Fast jedes Wesen verfügt über eine besondere Fähigkeit, die du einmal pro eigenen Zug nutzen darfst. Einige Lebensformen haben allerdings keine Sonderfähigkeit. Welche Fähigkeit dein aktuelles Wesen genau besitzt, steht direkt auf der Karte oder in der Übersicht des Spiels.

Für den Ablauf genügt vor allem diese Grundregel: Die Fähigkeit darf höchstens einmal in deinem Zug eingesetzt werden. Du kannst sie vor oder nach deiner Pflichtaktion nutzen, je nachdem, was für deinen Zug besser ist.

Die Mitspieler um Hilfe bitten

Einmal pro Zug darfst du die anderen fragen, ob jemand eine passende Lebenskarte für deine Lebenslinie hat. Du darfst dabei nur allgemein nach einer passenden Karte fragen. Du darfst nicht exakt ansagen, welches Symbol oder welche konkrete Karte du brauchst.

Die Mitspieler entscheiden nacheinander, ob sie dir eine passende Karte anbieten möchten. Wer das tun will, legt eine passende Karte verdeckt vor sich ab. Danach werden die angebotenen Karten aufgedeckt.

Nun musst du eine dieser Karten auswählen und sofort an deine Lebenslinie anlegen. Der Spieler, dessen Karte du genommen hast, erhält dafür 1 Karma. Nicht gewählte Karten gehen zurück auf die Hand ihrer Besitzer.

Wenn dir niemand eine passende Karte anbietet, darfst du deine komplette Hand abwerfen und dieselbe Anzahl neuer Karten ziehen. Das ist besonders dann stark, wenn deine Hand nicht mehr sinnvoll zu deiner Lebenslinie passt.

Wann dein Wesen stirbt

Am Ende deines eigenen Zuges prüfst du, ob dein aktuelles Wesen stirbt. Das passiert in zwei Fällen:

  • du hast keine Handkarten mehr
  • in deiner Lebenslinie liegt ein Sensenmann

Wenn der Sensenmann in deiner Lebenslinie liegt, wirfst du zusätzlich alle übrigen Handkarten ab. Danach wird deine Lebenslinie gewertet.

Wichtig ist: Der Tod wird immer nur am Ende deines eigenen Zuges geprüft. Wenn außerhalb deines Zuges etwas passiert, wodurch du eigentlich keine Karten mehr hast oder deine Lage kritisch wird, stirbst du trotzdem erst am Ende deines nächsten eigenen Zuges.

So wertest du deine Lebenslinie

Sobald dein Wesen stirbt, wertest du deine ausliegenden Lebenskarten. Das geschieht in einer festen Reihenfolge.

Buddhas zählen

Zuerst zählst du alle Buddhas in deiner Lebenslinie. Jeder Buddha bringt 1 Karma. Du rückst deine Buddhafigur auf dem Karmatableau entsprechend nach vorne.

Viererkombinationen prüfen

Danach prüfst du, ob du in deiner Lebenslinie vier gleiche oder vier unterschiedliche normale Symbole gebildet hast. Für jede solche Viererkombination darfst du 1 Lebenskarte aus deiner Lebenslinie verdeckt auf deinen Punktestapel legen.

Diese Karten sind am Spielende jeweils 2 Siegpunkte wert.

Dabei gelten zwei wichtige Regeln:

  • Jedes Symbol darf nur für eine einzige Viererkombination verwendet werden.
  • Joker und Sensenmann zählen nicht für diese Viererkombinationen.

Das ist wichtig, weil Joker zwar beim Anlegen sehr flexibel sind, dir bei der späteren Wertung aber nicht als Ersatzsymbol helfen.

Restliche Karten abräumen

Alle übrigen Lebenskarten deiner Lebenslinie kommen auf den allgemeinen Ablagestapel. Danach wird auch deine aktuelle Wiedergeburtskarte abgelegt.

Normale Tierkarten wandern zurück an ihren Stapel. Eine Menschenkarte bleibt später bis zum Spielende vor dir liegen, wenn du bereits Mensch geworden bist.

Die neue Wiedergeburt

Nach der Wertung ziehst du eine neue Wiedergeburtskarte. Welche Karte du bekommst, hängt von deinem aktuellen Karmawert ab. Je mehr Karma du gesammelt hast, desto höher ist die Stufe deiner nächsten Wiedergeburt.

Danach ziehst du so viele neue Lebenskarten auf die Hand, wie es deine neue Wiedergeburtskarte vorgibt. Damit beginnt dein nächstes Leben.

Sollte der Nachziehstapel der Lebenskarten leer sein, wird der allgemeine Ablagestapel gemischt und als neuer Nachziehstapel verwendet.

Wann du Mensch wirst

Sobald dein Karma hoch genug ist und dein aktuelles Wesen stirbt, kannst du als Mensch wiedergeboren werden. Die Menschenkarte ist dabei etwas Besonderes, denn sie bringt am Ende zusätzliche Siegpunkte.

Mensch zu werden ist also ein wichtiges Ziel, aber nicht automatisch gleichbedeutend mit dem sicheren Sieg. Es kann gut passieren, dass ein anderer Spieler über Karma und Punktestapel insgesamt besser dasteht.

Wann das Spiel endet

Das Spiel endet, sobald ein Spieler als Mensch stirbt. Dieser Spieler wertet seine Lebenslinie noch ganz normal aus. Danach dürfen auch alle anderen Spieler ihre aktuell ausliegende Lebenslinie noch einmal werten, als würden ihre Wesen jetzt ebenfalls sterben.

Erst danach folgt die Schlusswertung. Dadurch bleibt das Spiel fair, weil alle Spieler am Ende noch eine letzte vollständige Auswertung erhalten.

So funktioniert die Schlusswertung

Am Ende zählen alle Spieler ihre Siegpunkte zusammen. Punkte gibt es aus drei Bereichen:

  • jedes gesammelte Karma zählt 1 Siegpunkt
  • jede Karte im eigenen Punktestapel zählt 2 Siegpunkte
  • die Menschenkarte bringt zusätzliche Siegpunkte

Gewonnen hat der Spieler mit den meisten Punkten. Es ist also durchaus möglich, dass nicht der erste Mensch die Partie gewinnt, sondern ein Spieler, der über mehrere Leben hinweg besonders stark gewertet hat.

Typische Regelfehler in der ersten Partie

Bei Mieses Karma passieren anfangs oft dieselben Fehler. Wenn ihr diese Punkte beachtet, läuft das Spiel deutlich runder.

  • Das Anlegen oder Abwerfen einer Handkarte ist Pflicht, solange du Handkarten hast.
  • Die Reihenfolge deiner möglichen Aktionen ist frei.
  • Du darfst nur allgemein nach einer passenden Karte fragen, nicht nach einem exakten Symbol.
  • Nur der Spieler, dessen angebotene Karte du auswählst, erhält 1 Karma.
  • Joker helfen beim Anlegen, aber nicht bei Viererkombinationen.
  • Der Sensenmann beendet deine Lebenslinie.
  • Handkarten werden nie in das nächste Leben mitgenommen.
  • Der Tod wird nur am Ende deines eigenen Zuges geprüft.

Gerade die letzten drei Punkte werden anfangs oft durcheinandergebracht. Wenn ihr sie sauber spielt, ist der Rest schnell klar.

Häufige Fragen zu Mieses Karma

Muss ich immer eine Karte anlegen?

Nein. Wenn du keine passende Karte anlegen kannst oder willst, musst du stattdessen genau eine Handkarte abwerfen. Nur wenn du keine Handkarten mehr hast, entfällt diese Pflicht.

Darf ich die Tierfähigkeit vor dem Anlegen nutzen?

Ja. Die Reihenfolge deiner Aktionen ist frei. Du kannst zuerst die Fähigkeit nutzen, zuerst fragen oder zuerst deine Pflichtaktion erledigen.

Zählt ein Joker für vier gleiche oder vier unterschiedliche Symbole?

Nein. Joker helfen nur beim Anlegen an die Lebenslinie. Für die Wertung von Viererkombinationen zählen sie nicht.

Wann genau sterbe ich?

Immer am Ende deines eigenen Zuges, wenn du keine Handkarten mehr hast oder ein Sensenmann in deiner Lebenslinie liegt.

Gewinnt immer der erste Mensch?

Nein. Das Spiel endet zwar, wenn der erste Mensch stirbt, aber danach werden alle Punkte verglichen. Ein anderer Spieler kann am Ende trotzdem mehr Siegpunkte haben.

Fazit

Mieses Karma lebt davon, dass Fortschritt und Tod hier bewusst zusammengehören. Du versuchst nicht einfach nur, möglichst lange durchzuhalten, sondern im richtigen Moment eine gute Lebenslinie zu beenden, Karma mitzunehmen und in eine bessere Existenzform zu wechseln. Genau das macht das Spiel ungewöhnlich und gleichzeitig sehr einprägsam.

Wenn ihr den Ablauf einmal verstanden habt, spielt sich Mieses Karma erstaunlich flüssig. Wichtig sind vor allem das saubere Anlegen der Lebenskarten, die richtige Wertung beim Tod und der Blick darauf, dass Menschwerden zwar stark ist, aber nicht allein über den Sieg entscheidet.

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