Bei Jekyll vs. Hyde gelten für beide Seiten unterschiedliche Ziele: Dr. Jekyll versucht, die drei Persönlichkeitsanteile im Spiel möglichst ausgeglichen zu halten, während Mr. Hyde den Abstand zwischen den beiden Seiten vergrößern will. Gewonnen wird nicht einfach durch die meisten Stiche. Entscheidend ist, welche Karten du ausspielst, wann du einen Stich sicherst und wie sich die Balance am Ende der Runde verändert.
Das Spiel ist für zwei Personen ausgelegt und nutzt einen Stichspiel-Mechanismus mit drei Farben. Vor dem ersten Zug werden die Handkarten verteilt und die Trankkarten beziehungsweise Spezialeffekte berücksichtigt. Danach spielt ihr mehrere Stiche. Die stärkste Karte der ausgespielten Farbe gewinnt den Stich, sofern kein anderer Effekt die Entscheidung verändert.
Das Spielziel hängt von deiner Rolle ab
Eine Partie besteht aus mehreren Runden. In jeder Runde übernimmt eine Person die Seite von Dr. Jekyll, die andere spielt Mr. Hyde. Die Rollen wechseln nach der Runde, damit beide Seiten dieselben Chancen erhalten.
Dr. Jekyll möchte verhindern, dass eine Persönlichkeit deutlich stärker hervortritt. Dafür muss die Verteilung der drei Farben möglichst ausgeglichen bleiben. Mr. Hyde verfolgt das gegenteilige Ziel: Er möchte die Balance stören und einen möglichst großen Unterschied zwischen den Persönlichkeitsanteilen erzeugen.
Diese ungleichen Siegbedingungen bestimmen jede Entscheidung. Ein Stich kann für Jekyll wertvoll sein, weil er eine bestimmte Farbe ausgleicht. Für Hyde kann derselbe Stich wichtig sein, weil er eine andere Farbe weiter zurückfallen lässt. Deshalb ist die Frage „Wer hat mehr Stiche?“ allein keine ausreichende Erklärung für den Ausgang.
Material und Vorbereitung
Für eine Partie brauchst du die Karten des Grundspiels, die drei Farbreihen, die Trankkarten und die Anzeige für die Balance beziehungsweise die Persönlichkeitsanteile. Die genaue Gestaltung kann sich je nach Ausgabe oder Sprachversion unterscheiden. Die Symbole auf den Karten zeigen, welche Farbe, welcher Wert und welcher Sondereffekt gemeint ist.
- Legt die Anzeige für die Balance zwischen euch bereit.
- Bestimmt, wer in der ersten Runde Dr. Jekyll und wer Mr. Hyde spielt.
- Mischt die Spielkarten und verteilt die für die Runde vorgesehene Hand an beide Personen.
- Gebt die nicht benötigten Karten aus dem Spiel oder legt sie nach den Vorgaben eurer Ausgabe beiseite.
- Mischt die Trankkarten und legt sie so bereit, dass ihre Reihenfolge oder Auswahl für beide Seiten nachvollziehbar bleibt.
- Beginnt mit der Person, die laut Startregel den ersten Stich eröffnet.
Vor dem Start solltest du die drei Farben und ihre Reihenfolge prüfen. Die Farben sind nicht bloß unterschiedliche Kartensymbole, sondern werden für die Balance getrennt ausgewertet. Eine Karte kann daher gleichzeitig durch ihren Zahlenwert und durch ihre Farbe wichtig sein.
So läuft ein Stich ab
Die Person, die den Stich eröffnet, spielt eine Karte aus ihrer Hand. Danach muss die andere Person die ausgespielte Farbe bedienen, wenn sie eine Karte dieser Farbe besitzt. Wer die Farbe nicht bedienen kann, darf eine Karte einer anderen Farbe spielen.
Grundsätzlich gewinnt die höchste Karte der zuerst ausgespielten Farbe. Eine Karte einer anderen Farbe ist normalerweise schwächer, wenn sie nicht durch einen besonderen Karteneffekt oder eine Trankregel aufgewertet wird. Die Gewinnerin oder der Gewinner nimmt beide Karten und eröffnet den nächsten Stich.
- Spiele eine Karte aus und lege damit die Farbe des Stichs fest.
- Prüfe, ob die andere Person die ausgespielte Farbe bedienen muss.
- Vergleiche die Werte der Karten, die zur führenden Farbe gehören.
- Führe den Stich entsprechend der Grundregel oder eines aktiven Effekts aus.
- Lege die gewonnenen Karten getrennt oder sichtbar ab, wenn ihre Farben später für die Balance ausgewertet werden.
Die Pflicht zum Bedienen ist eine zentrale Einschränkung. Du kannst eine starke Karte nicht immer frei einsetzen, weil du möglicherweise eine andere Farbe bedienen musst. Ebenso darfst du eine schwache Karte nicht automatisch abwerfen, wenn du noch eine passende Karte auf der Hand hältst.
Warum die Kartenwerte nicht allein entscheiden
Ein hoher Kartenwert wirkt zunächst wie ein sicherer Gewinn. In diesem Spiel ist eine hohe Karte aber nur dann nützlich, wenn ihr Einsatz zur eigenen Rolle und zur aktuellen Balance passt. Dr. Jekyll möchte einen Stich vielleicht gewinnen, um eine unterrepräsentierte Farbe zu erhalten. Hyde kann absichtlich einen Stich abgeben, wenn dadurch eine für Jekyll günstige Farbe in eine ungünstige Verteilung gerät.
Auch die ausgespielte Farbe beeinflusst die Entscheidung. Wenn du eine Farbe eröffnest, zwingst du die andere Person zunächst dazu, darauf zu reagieren. Dadurch kontrollierst du nicht nur den einzelnen Stich, sondern möglicherweise auch, welche Karten im nächsten Zug noch verfügbar sind.
Behalte deshalb während der Runde drei Informationen im Blick:
- Welche Farben hast du bereits gewonnen?
- Welche Farben könnten der anderen Person noch fehlen?
- Welche hohen Karten und Trankeffekte sind noch nicht ausgespielt?
Wer diese Informationen ignoriert, gewinnt zwar möglicherweise einzelne Stiche, verliert aber die Kontrolle über die spätere Verteilung. Besonders gegen Ende der Runde werden kleine Karten wichtig, weil dann nur noch wenige Möglichkeiten zum Ausweichen bleiben.
Die asymmetrischen Ziele richtig nutzen
Als Dr. Jekyll solltest du nicht jeden Stich an dich reißen. Dein Ziel ist es, die Werte beziehungsweise Anteile der drei Farben nahe beieinander zu halten. Ein gewonnener Stich mit einer bereits dominierenden Farbe kann deshalb schlechter sein als ein abgegebener Stich mit einer bisher selten vertretenen Farbe.
Als Mr. Hyde suchst du dagegen Situationen, in denen eine Farbe deutlich vor den anderen liegt oder eine Farbe stark zurückbleibt. Du musst dafür nicht immer die höchste Karte spielen. Oft ist es sinnvoller, eine bestimmte Farbe zu fördern oder die andere Person dazu zu bringen, einen ungünstigen Stich zu übernehmen.
Die Rollen führen zu unterschiedlichen Prioritäten:
- Jekyll: Verteilung beobachten, extreme Ausschläge vermeiden und die richtigen Stiche kontrolliert abgeben.
- Hyde: eine Farbe gezielt verstärken, Ausweichmöglichkeiten reduzieren und Jekyll zu unausgeglichenen Entscheidungen zwingen.
Die beste Karte ist also nicht immer die Karte mit dem höchsten Wert. Ihre Bedeutung hängt davon ab, welche Farbe sie betrifft, wer den Stich eröffnet und wie viele Stiche noch folgen.
Trankkarten und ihre Auswirkungen
Die Trankkarten verändern den normalen Ablauf oder beeinflussen die Auswertung einer Runde. Ihre genaue Wirkung steht auf der jeweiligen Karte. Lies den Effekt vollständig, bevor du ihn anwendest, und kläre, ob er den laufenden Stich, den nächsten Zug oder die Wertung am Rundenende betrifft.
Ein Trankeffekt kann die normale Rangfolge verändern, eine Farbe betreffen oder die Balance verschieben. Deshalb darfst du eine Trankkarte nicht wie eine gewöhnliche Zahlenkarte behandeln. Entscheidend ist der Zeitpunkt: Ein früher Einsatz schafft oft neue Möglichkeiten für mehrere folgende Stiche, während ein später Einsatz eine bereits fast entschiedene Runde noch drehen kann.
Prüfe bei jedem Trank drei Punkte:
- Wann darf oder muss der Effekt eingesetzt werden?
- Welche Karten oder Farben sind unmittelbar betroffen?
- Wird der Effekt nach der Anwendung abgelegt oder bleibt er für weitere Züge relevant?
Bei unterschiedlichen Auflagen solltest du die Formulierung auf der beiliegenden Karte verwenden. Falls eine Erweiterung oder Sonderkarte hinzukommt, gelten deren Regeln nur, wenn sie ausdrücklich in das Spiel aufgenommen wurde.
Ein Zug mit mehreren möglichen Entscheidungen
Angenommen, Dr. Jekyll hat bereits mehrere Karten einer Farbe gewonnen, während eine zweite Farbe kaum vertreten ist. Eine hohe Karte der dominanten Farbe könnte den nächsten Stich sichern. Das stärkt jedoch den Vorsprung dieser Farbe und kann die eigene Balance verschlechtern. Eine niedrigere Karte der schwachen Farbe ist daher möglicherweise wertvoller, auch wenn sie den Stich nicht gewinnt.
Für Hyde ist die Lage umgekehrt. Wenn eine Farbe bereits deutlich vorne liegt, kann ein weiterer gewonnener Stich den Abstand vergrößern. Manchmal lohnt es sich sogar, eine hohe Karte zurückzuhalten, damit die andere Person zuerst eine Farbe eröffnet und dadurch eine ungünstige Reaktion erzwingt.
Solche Entscheidungen zeigen, warum das Spiel nicht wie ein gewöhnliches Stichspiel funktioniert. Du planst nicht nur den aktuellen Vergleich, sondern auch die Verteilung der verbleibenden Karten. Jede ausgespielte Karte verändert die möglichen Antworten im nächsten Stich.
Spielende und Auswertung
Die Runde endet, sobald alle vorgesehenen Stiche gespielt wurden. Danach werden die gewonnenen Karten nach Farben ausgewertet. Die drei daraus entstehenden Anteile werden miteinander verglichen, und die Balance verschiebt sich entsprechend dem Ergebnis der Runde.
Dr. Jekyll gewinnt die Runde, wenn die Unterschiede zwischen den Farben innerhalb der vorgesehenen Grenze bleiben. Mr. Hyde gewinnt, wenn die Verteilung ausreichend auseinandergeht. Die Balance-Anzeige zeigt, welche Seite den Vorteil erhält. Danach werden die Rollen getauscht und eine neue Runde vorbereitet.
Die Partie endet nach der in der Spielregel festgelegten Zahl von Runden oder sobald eine Seite das erforderliche Ziel auf der Balance-Anzeige erreicht. Für die endgültige Entscheidung ist deshalb nicht nur das Ergebnis einer einzelnen Runde wichtig. Eine Person kann eine Runde verlieren und dennoch die Partie gewinnen, wenn die Gesamtbalance am Ende auf ihrer Seite steht.
Häufige Fehler beim ersten Spiel
- Die höchste Karte wird automatisch als beste Karte angesehen. Tatsächlich zählt auch die Farbe und ihre Bedeutung für die Balance.
- Die Pflicht zum Bedienen wird übersehen. Wer die führende Farbe noch auf der Hand hat, darf normalerweise nicht beliebig ausweichen.
- Die Rollen werden gleich gespielt. Jekyll und Hyde verfolgen unterschiedliche Ziele und sollten deshalb nicht dieselbe Taktik verwenden.
- Trankkarten werden zu spät gelesen. Ein Effekt kann genau festlegen, wann er eingesetzt werden darf.
- Nur der laufende Stich wird betrachtet. Die gewonnenen Karten beeinflussen die gesamte Rundenwertung.
Wenn ihr euch bei einer Situation nicht einig seid, prüft zuerst die Kartenwirkung und danach die Regelstelle zur Farbpflicht beziehungsweise zur Stichwertung. Eine Hausregel kann eine offene Frage lösen, sollte aber als eigene Vereinbarung kenntlich bleiben und nicht mit der offiziellen Regel vermischt werden.
Eine sinnvolle Spielweise für beide Seiten
Jekyll sollte zu Beginn einer Runde möglichst viele Informationen sammeln. Nicht jeder frühe Stich muss gewonnen werden. Beobachte, welche Farben Hyde bevorzugt, und versuche, die eigene Verteilung nicht durch einen vorschnellen Einsatz einer starken Karte zu verschärfen.
Hyde sollte nach Möglichkeiten suchen, die Kontrolle über die Eröffnungsfarbe zu gewinnen. Wer einen Stich gewinnt, bestimmt häufig den nächsten Ausgangspunkt. Dadurch lässt sich eine Farbe weiterentwickeln oder eine ungünstige Farbe aus dem Spiel nehmen. Trotzdem darf Hyde nicht nur auf einen sichtbaren Vorsprung achten, weil Jekyll durch einen späteren Trankeffekt oder einen gezielten Stich noch ausgleichen kann.
Für beide Seiten gilt: Zähle nicht ausschließlich die eigenen Karten. Ebenso wichtig ist, welche Farbe die andere Person wahrscheinlich nicht mehr bedienen kann. Sobald eine Farbe fehlt, entstehen neue Möglichkeiten zum Abwerfen oder zum Einsatz eines passenden Effekts.
Vor dem ersten Stich prüfen
- Sind die Rollen eindeutig verteilt?
- Liegen Balance-Anzeige und Trankkarten bereit?
- Ist klar, wer den ersten Stich eröffnet?
- Kennen beide Personen die Pflicht zum Bedienen?
- Ist vereinbart, wie Karten nach gewonnenen Stichen für die Auswertung gesammelt werden?
- Wurde geprüft, ob mit einer Erweiterung oder einer bestimmten Ausgabe gespielt wird?
Mit dieser Vorbereitung vermeidet ihr die häufigsten Unterbrechungen. Danach sollte jeder Stich in derselben Reihenfolge abgehandelt werden: Farbe eröffnen, Bedienpflicht prüfen, Karten vergleichen, Effekt anwenden und den Stich für die spätere Balance auslegen.
Fragen und Antworten zu den Jekyll-vs.-Hyde-Regeln
Wer gewinnt einen Stich, wenn die andere Person die Farbe nicht bedienen kann?
Wer die ausgespielte Farbe nicht auf der Hand hat, darf normalerweise eine Karte einer anderen Farbe spielen. Den Stich gewinnt grundsätzlich die höchste Karte der zuerst ausgespielten Farbe, sofern eine Trankkarte oder ein anderer ausdrücklich genannter Effekt die Rangfolge verändert.
Darf ich trotz einer passenden Karte eine andere Farbe abwerfen?
Nein, normalerweise musst du die ausgespielte Farbe bedienen, wenn du eine entsprechende Karte besitzt. Ein Abwurf oder der Einsatz einer anderen Farbe ist erst möglich, wenn du die Führungsfarbe nicht bedienen kannst oder ein Karteneffekt eine Ausnahme erlaubt.
Wie wird die Balance am Ende einer Runde genau bestimmt?
Nach dem letzten Stich werden die gewonnenen Karten nach ihren drei Farben getrennt betrachtet. Die daraus entstehenden Anteile werden miteinander verglichen; maßgeblich ist die in eurer Ausgabe vorgesehene Auswertung, nicht die bloße Anzahl gewonnener Stiche.
Kann Mr. Hyde eine Runde gewinnen, obwohl er weniger Stiche gemacht hat?
Ja, denn Hyde muss nicht die meisten Stiche sammeln. Entscheidend ist, ob die Farbverteilung am Rundenende ausreichend unausgeglichen ist und dadurch der erforderliche Abstand für Hyde entsteht.
Was passiert, wenn eine Trankkarte der Grundregel widerspricht?
Dann wird der Effekt der Trankkarte nach dem genauen Wortlaut angewendet, sofern sie für diese Situation vorgesehen ist. Prüfe dabei besonders, ob die Karte den laufenden Stich, den nächsten Zug oder erst die Auswertung betrifft; bei abweichenden Formulierungen ist die Regel der verwendeten Ausgabe maßgeblich.
Was gilt, wenn die Balance nach einer Runde noch nicht über den Ausgang der Partie entscheidet?
Dann wird die Partie nach der vorgesehenen Reihenfolge fortgesetzt und die Rollen werden für die nächste Runde getauscht. Eine einzelne verlorene Runde beendet das Spiel nicht automatisch, wenn das Gesamtziel der Balance noch nicht erreicht wurde.
Sind die Regeln von Jekyll vs. Hyde in jeder Ausgabe identisch?
Grundprinzipien wie die asymmetrischen Ziele, das Bedienen der Farbe und die Auswertung nach Farben bilden den Kern des Spiels. Bei Symbolen, Trankeffekten, Aufbau oder dem genauen Spielende können sich jedoch Ausgaben oder Erweiterungen unterscheiden, weshalb bei einem Streitfall die beiliegende Regel und die verwendeten Karten geprüft werden sollten.