Wie man Cartagena spielt

Cartagena gehört zu den Spielen, deren Grundidee in wenigen Sätzen erklärt ist und die trotzdem erstaunlich viel Tiefe entwickeln. Jede Person versucht, ihre sechs Piraten als Erste durch einen engen Fluchtweg bis ins rettende Boot zu bringen. Das Spiel ist für 2 bis 5 Personen ausgelegt, stammt von Leo Colovini und erschien im Jahr 2000. In der klassischen Grundform besteht der Weg aus sechs Planteilen mit insgesamt 36 Feldern, und jede Person startet mit sechs Piratenfiguren sowie einem kleinen Handkartenbestand. 

Der Clou liegt in der Bewegung. Du ziehst deine Piraten nicht einfach um eine feste Zahl vorwärts. Stattdessen spielst du Symbolkarten aus und setzt eine deiner Figuren auf das nächste freie Feld mit genau diesem Symbol. Dadurch überspringst du oft mehrere Felder auf einmal. Neue Karten bekommst du wiederum nicht durch normales Nachziehen am Ende jedes Zugs, sondern durch ein bewusstes Zurückziehen eigener Piraten. Genau diese Mischung macht Cartagena so besonders: Vorwärtskommen kostet Karten, Karten bekommst du durch Rückschritte, und starke Züge entstehen fast nie durch stumpfes Rennen, sondern durch gutes Timing. 

Wenn man Cartagena zum ersten Mal spielt, wirkt das Spiel manchmal fast zu schlicht. Nach wenigen Zügen merkt man aber, dass hinter dieser Einfachheit ein sehr klares taktisches Gerüst steckt. Du willst deine Piraten nicht zu weit auseinanderziehen. Du willst nicht zu früh alle guten Karten verfeuern. Und du willst Rückwärtszüge nicht als Niederlage lesen, sondern als Teil deines Motors. Genau dann beginnt Cartagena richtig interessant zu werden.

Worum es bei Cartagena eigentlich geht

Das Ziel ist einfach: Wer als Erste oder Erster alle sechs Piraten ins Boot bringt, gewinnt die Partie. Die Piraten starten am Eingang des Tunnels oder Fluchtwegs, das Boot liegt am anderen Ende. Zwischen beiden Punkten liegen Symbole, die die Bewegung steuern. In den klassischen Regeln sind das sechs verschiedene Zeichen, etwa Piratenhut, Pistole, Rumflasche, Totenkopf, Dolch und Schlüssel. Jede ausgespielte Karte erlaubt dir, eine deiner Figuren auf das nächste freie Feld mit genau diesem Symbol zu ziehen. 

Wichtig ist dabei das Wort frei. Du ziehst nicht einfach zum nächsten Feld mit diesem Symbol, egal was dort steht, sondern zum nächsten freien Feld mit diesem Symbol. Sind passende Felder besetzt, springt dein Pirat also weiter nach vorn, bis er das erste freie passende Feld erreicht. Genau daraus entsteht das eigentliche Spielgefühl. Gut platzierte Figuren helfen dir, große Sprünge zu machen. Schlecht verteilte Figuren machen dich langsam. 

Das erklärt auch, warum Cartagena kein gewöhnliches Laufspiel ist. Wer nur versucht, immer möglichst schnell einen einzelnen Piraten nach vorne zu drücken, bleibt oft mit den restlichen Figuren zurück und verliert die Kontrolle über die eigene Kartenwirtschaft. Gewonnen wird Cartagena meist von der Person, die ihre ganze Gruppe rhythmisch und klug durch den Tunnel bringt.

Das Material im Überblick

In den klassischen Ausgaben besteht Cartagena aus sechs Spielplanteilen, die zu einem durchgehenden Fluchtweg zusammengesetzt werden, einem Boot, Piratenfiguren in den Spielerfarben und einem Kartendeck mit Symbolkarten. Die Zahl der Figuren und Karten variiert leicht je nach Ausgabe, aber das Grundprinzip bleibt gleich: Jeder Spieler hat sechs Piraten, und das Deck enthält Symbolkarten für die sechs Feldarten des Weges. 

Das Material wirkt unscheinbar, erfüllt aber eine sehr klare Funktion. Die Planteile machen den Weg variabel, weil sie in unterschiedlicher Reihenfolge gelegt werden können. Die Karten bilden dein Bewegungskapital. Deine Piraten sind gleichzeitig Rennfiguren und Werkzeuge für die Kartenmaschine, weil du sie für Rückwärtszüge brauchst. Das Boot markiert am Ende das Ziel und sorgt dafür, dass nicht nur der Tunnel, sondern auch die Schlussphase sauber definiert ist. 

Gerade beim ersten Aufbau hilft es, dieses Material gedanklich nicht als Brettspielstandard zu sehen, sondern als kleines System: Der Weg erzeugt Positionen, die Karten erzeugen Bewegung, und die Piraten erzeugen deine taktischen Möglichkeiten.

So wird Cartagena aufgebaut

Zuerst werden die sechs Spielplanteile zu einem durchgehenden Weg verbunden. Dabei ist wichtig, dass die gezeichneten Wege sauber aneinander anschließen. Die Regel erlaubt, die Teile in beliebiger Reihenfolge zusammenzusetzen, solange ein durchgehender Fluchtweg vom Start bis zum Boot entsteht. Danach kommt das Boot ans Ende des Weges. 

Anschließend wählt jede Person eine Farbe und stellt alle sechs Piraten an den Eingang des Tunnels. Das Kartendeck wird gemischt. In der leichteren Version erhält jede Person sechs Handkarten. Einige Ausgaben und Varianten unterscheiden zwischen einer einfacheren und einer anspruchsvolleren Form, etwa mit offeneren Informationen oder anderem Kartenzugang. Die Grundlogik der Bewegung bleibt aber dieselbe. 

Für die erste Partie reicht die Basiskonfiguration völlig aus. Viel wichtiger als mögliche Varianten ist am Anfang, dass alle verstehen, wie Vorwärts- und Rückwärtszüge zusammenhängen. Wenn dieser Rhythmus sitzt, läuft Cartagena sehr flüssig.

So funktioniert ein normaler Zug

Ein Zug in Cartagena besteht in der Grundregel entweder aus einem oder mehreren Vorwärtszügen durch das Ausspielen von Karten oder aus Rückwärtszügen, um neue Karten aufzunehmen. Genau darin liegt die ganze Eleganz des Spiels. Du entscheidest in deinem Zug also nicht nur, wie du ziehst, sondern auch, ob dein Zug gerade eher Bewegung oder Kartennachschub erzeugen soll. 

Spielst du eine Symbolkarte aus, dann wählst du einen deiner Piraten und setzt ihn auf das nächste freie Feld mit diesem Symbol. Liegt das passende Symbol direkt vor ihm und das Feld ist frei, geht er nur ein Stück nach vorne. Sind aber ein oder mehrere passende Felder besetzt, springt er weiter zum nächsten freien Feld mit diesem Zeichen. Genau deshalb ist das Besetzen von Feldern so wichtig. Piraten auf dem Weg sind nicht nur Hindernisse, sondern oft Sprungbretter. 

Du kannst in deinem Zug mehrere Karten nacheinander ausspielen, solange du das möchtest und solange du passende Karten auf der Hand hast. Viele starke Züge bestehen deshalb aus kleinen Ketten. Ein Pirat springt auf ein Feld, von dort geht ein anderer weiter, dann folgt vielleicht noch ein dritter Zug. Cartagena fühlt sich in solchen Momenten sehr dynamisch an, obwohl die Regel eigentlich extrem schlicht ist.

Vorwärtsziehen: das Herzstück des Spiels

Das Vorwärtsziehen ist die sichtbarste Aktion im Spiel, aber nicht automatisch die wichtigste. Viele neue Spieler glauben zunächst, jeder gute Zug müsse vor allem darin bestehen, möglichst weit nach vorn zu kommen. Das stimmt nur teilweise. Ein Vorwärtszug ist nur dann wirklich gut, wenn er auch die restliche Struktur deiner Gruppe verbessert.

Ein einzelner großer Sprung kann fantastisch wirken und trotzdem problematisch sein, wenn der betroffene Pirat danach weit isoliert steht. Denn isolierte Figuren sind in Cartagena oft unbequem. Sie blockieren zwar vielleicht noch ein Feld für andere, helfen dir aber kaum beim Kartennachschub, weil Rückwärtszüge dann oft schlechter werden. Gute Vorwärtszüge bringen deshalb nicht nur Distanz, sondern halten deine Piraten in einer sinnvollen Staffelung. 

Besonders stark sind Züge, bei denen du von bereits besetzten Feldern profitierst. Wenn zwei oder drei Piraten gut verteilt stehen, können spätere Karten deutlich größere Sprünge ermöglichen. Genau das ist der taktische Kern: Du willst Felder nicht leer räumen, sondern oft so nutzen, dass die nachfolgenden Piraten ebenfalls profitieren.

Rückwärtsziehen: nicht Rückschritt, sondern Motor

Die vielleicht wichtigste Regel von Cartagena wird von Anfängern oft falsch gelesen. Um neue Karten zu bekommen, ziehst du eine eigene Figur freiwillig zurück. Dabei ziehst du sie rückwärts auf das nächste Feld, auf dem bereits ein oder zwei Piraten stehen. Landet sie auf einem Feld mit genau einem Piraten, ziehst du eine Karte nach. Landet sie auf einem Feld mit genau zwei Piraten, ziehst du zwei Karten nach. Leere Felder und Felder mit drei Piraten werden beim Rückwärtsziehen übersprungen. Mehr als drei Piraten können dadurch auf einem Feld nicht stehen. 

Genau diese Regel macht Cartagena zu dem Spiel, das es ist. Rückwärtsziehen ist hier kein peinlicher Notfallzug, sondern ein bewusstes Werkzeug. Ohne kluge Rückwärtszüge geht dir sehr schnell die Hand aus. Und ohne Karten kannst du keine Vorwärtsdynamik aufbauen. Gute Spieler schämen sich deshalb nicht für Rückschritte. Sie planen sie ein.

Das verändert den Blick auf die Partie komplett. Du willst nicht nur wissen, welcher Pirat jetzt nach vorn soll. Du willst auch wissen, welcher Pirat später ein guter Kandidat für einen Rückwärtszug wäre. Ein gut gebautes Feld mit zwei wartenden Piraten ist oft Gold wert, weil es dir eine saubere Zwei-Karten-Auffrischung ermöglicht. Genau dadurch bleibt deine Partie lebendig.

Warum drei Piraten auf einem Feld so wichtig sind

In Cartagena dürfen beim Rückwärtsziehen keine Felder genutzt werden, auf denen bereits drei Piraten stehen. Das hat zwei Folgen. Erstens können durch Rückwärtszüge nie mehr als drei Piraten auf einem Feld stehen. Zweitens haben Felder mit drei Piraten eine besondere taktische Bedeutung: Sie sind stark als Blockade- und Sprungpunkte nach vorne, aber als Nachziehziele unbrauchbar. 

Das bedeutet in der Praxis, dass du Gruppenbildung dosiert lesen musst. Zwei Piraten auf einem Feld sind oft ideal, weil du dorthin für zwei Karten zurückziehen kannst. Drei Piraten können gut sein, wenn du starke Vorwärtssprünge vorbereitest. Sie können aber auch unpraktisch werden, wenn du dir damit deine Rückzugslogik verbaust.

Gerade darin liegt einer der kleinen taktischen Reize des Spiels. Nicht jede enge Gruppe ist automatisch gut. Manchmal ist eine Staffelung aus zwei, dann wieder ein Einzelner, dann wieder zwei deutlich besser als ein großer Pulk.

Eine gute Cartagena-Partie lebt von Gruppen, nicht von Sololäufern

Ein sehr häufiger Anfängerfehler ist das sogenannte Sololäufer-Spiel. Dabei wird ein Pirat früh weit nach vorne geschoben, während die restlichen Figuren eher hinten bleiben. Das sieht kurzfristig stark aus, führt aber oft zu einem unangenehmen Problem: Der vordere Pirat hat kaum noch gute Felder zum Rückwärtsziehen, und die hinteren Figuren profitieren nur begrenzt von seiner Position.

Stärker ist fast immer eine leicht versetzte Piratengruppe. Deine Figuren sollten nicht alle auf demselben Feld kleben, aber auch nicht völlig auseinanderfallen. Eine gute Gruppe erzeugt beides: große Sprünge nach vorne und attraktive Rückwärtsziele für neue Karten. Genau deshalb gewinnt Cartagena selten der spektakulärste Einzelzug, sondern meist das bessere Gruppengefühl.

Das bedeutet nicht, dass nie ein Pirat vornweg laufen darf. Natürlich gibt es Phasen, in denen eine Figur deutlich voraus sein kann. Das sollte aber eher eine bewusste Spätphase oder ein taktischer Ausreißer sein und nicht der Grundzustand deiner Partie.

Die Handkarten richtig lesen

In vielen Kartenspielen denkt man zuerst an Kartenwert und Kombinationsstärke. In Cartagena sind Handkarten vor allem Bewegungsoptionen. Eine Karte ist nicht abstrakt stark oder schwach, sondern nur in Relation zu deinen aktuellen Positionen und zu den Symbolen, die vor deinen Piraten liegen.

Eine Karte kann in einem Moment hervorragend sein, weil sie einen großen Sprung ermöglicht, und zwei Runden später fast wertlos, weil kein Pirat sinnvoll darauf ziehen kann. Genau deshalb solltest du deine Hand nicht nur als Vorrat betrachten, sondern ständig zusammen mit dem Weg lesen. Welche Symbole liegen vor meinen vorderen Figuren. Welche Symbole helfen den hinteren. Wo kann ich große Sprünge erzeugen. Wo droht eine Karte auf der Hand zu versanden.

Gute Cartagena-Spieler horten Karten nicht blind und spielen sie auch nicht automatisch sofort aus. Sie versuchen vielmehr, den Moment zu treffen, in dem eine Karte am meisten Weg erzeugt oder die Staffelung der Gruppe am besten erhält.

Praxisbeispiel 1: Der verführerische große Sprung

Stell dir vor, ein Pirat von dir steht im Mittelfeld, und mit einer passenden Karte könnte er auf das nächste freie Symbol drei passende Felder weiter vorn springen. Das sieht zunächst fantastisch aus. Gleichzeitig würden deine anderen Piraten aber deutlich weiter hinten bleiben, und im Bereich hinter dem Sprung gäbe es kaum noch gute Rückzugsziele.

In so einer Lage ist der große Sprung nicht automatisch der beste Zug. Manchmal ist es stärker, zuerst mit einer anderen Figur nachzuziehen oder einen kleineren Vorwärtszug zu machen, damit deine Formation stimmiger bleibt. Der riesige Sprung kann immer noch gut sein, aber eben nur dann, wenn die Gruppe ihn tragen kann.

Das ist typisch für Cartagena. Ein optisch starker Zug ist nicht immer der strategisch beste. Sehr oft gewinnt die Partie der Spieler, der sich vom größten Satz nicht blenden lässt.

Praxisbeispiel 2: Rückwärts für zwei Karten statt vorwärts für einen Schritt

Eine deiner Figuren steht relativ weit vorne, könnte mit einer Karte aber nur auf das direkt nächste freie Symbol ziehen. Gleichzeitig könntest du eine andere Figur rückwärts auf ein Feld mit zwei Piraten setzen und dafür zwei neue Karten aufnehmen.

Viele Spieler würden hier instinktiv den Vorwärtszug wählen, weil Rückwärtsbewegung sich schlechter anfühlt. In Cartagena ist aber sehr oft der Zwei-Karten-Zug stärker. Nicht weil Rückwärts immer besser wäre, sondern weil ein schwacher Vorwärtszug oft weniger wert ist als neue Optionen auf der Hand. Mit zwei frischen Karten kannst du im nächsten Zug viel mehr anfangen als mit einem kleinen Einzelfortschritt.

Diese Art von Tauschgeschäft ist im Spiel sehr wichtig. Nicht jeder Schritt nach vorn ist gut genug, um dafür deine Kartenwirtschaft zu vernachlässigen.

Praxisbeispiel 3: Das Ende des Weges richtig anspielen

Sobald die ersten Piraten sich dem Boot nähern, verändert sich die Logik der Partie. Jetzt geht es nicht mehr nur um das Halten der Formation, sondern auch darum, die Schlussphase sauber vorzubereiten. Ein Pirat im Boot hilft dir nur dann wirklich, wenn die restlichen Figuren danach nicht in ein Kartenloch fallen.

Deshalb ist es oft falsch, den ersten Piraten um jeden Preis so schnell wie möglich ins Boot zu schicken. Manchmal ist es klüger, ihn kurz davor zu halten, noch einmal mit den anderen Figuren Struktur aufzubauen und dann gleich mehrere Piraten nacheinander sauber nachzuziehen. Genau so entstehen oft starke Endspiele.

Cartagena wird am Schluss nicht nur durch Tempo, sondern durch Rhythmus entschieden. Wer zu früh einzeln ausläuft, verliert oft die taktische Klammer.

So gewinnt man die Schlussphase häufiger

Die Endphase von Cartagena fühlt sich anders an als der Anfang. Im frühen Spiel geht es vor allem um Aufbau, Gruppenstellung und Kartenzirkulation. Im späten Spiel wird die Bootsnähe selbst zu einem Problem. Denn ein Pirat, der bereits im Boot ist oder direkt davorsteht, taugt kaum noch für sinnvolle Rückwärtszüge im mittleren Bereich.

Deshalb solltest du das Endspiel wie einen kleinen Übergang planen. Du willst nicht plötzlich sechs einzelne Figuren an unterschiedlichen Stellen haben. Viel stärker ist eine Kette, bei der immer noch genug Nähe vorhanden ist, um saubere Restzüge zu ermöglichen. Eine häufig gute Struktur ist, wenn zwei oder drei Piraten sich dem Boot nähern, während dahinter noch genug Material für einen letzten Rückwärts-Kartenmotor bleibt.

Außerdem lohnt es sich, im Endspiel nicht zu gierig auf perfekte Karten zu warten. In der Schlussphase werden auch mittlere Züge wertvoller, wenn sie die Gesamtgruppe in Richtung Boot drücken. Die letzten Züge müssen nicht immer elegant sein. Sie müssen vor allem funktionieren.

Varianten und unterschiedliche Ausgaben

Cartagena existiert in mehreren Ausgaben und Regelvarianten. Besonders bekannt sind unter anderem die Jamaika- und die Tortuga-Variante, die sich vor allem darin unterscheiden, wie offen Informationen gehandhabt werden. In der ursprünglichen Jamaika-Variante werden Handkarten und Nachzugstapel verdeckt gespielt, während die Tortuga-Variante den Glücksanteil reduziert, indem Handkarten und ein Teil des Nachziehstapels offen einsehbar sind. Spätere Ausgaben haben diese Varianten teils verändert oder vereinfacht. 

Für einen normalen Einstieg ist das Basisspiel völlig ausreichend. Gerade die klassische Grundregel mit verdeckten Karten funktioniert sehr rund und zeigt schon alles, was Cartagena stark macht. Offene Varianten können für Gruppen interessant sein, die das Spiel noch taktischer und planbarer haben wollen.

Wichtig ist nur, dass man bei Regelfragen auf die eigene Ausgabe schaut. Die Grundidee bleibt konstant, aber einzelne Detailregeln zum Passen oder zu Varianten können sich zwischen den Editionen unterscheiden. 

Die häufigsten Fehler bei Cartagena

Der erste große Fehler ist das erwähnte Sololäufer-Spiel. Ein zu weit vorgeschobener Einzelpirat sieht gut aus, belastet die Kartenstruktur aber oft mehr, als er bringt.

Der zweite Fehler ist die falsche Bewertung von Rückwärtszügen. Wer sie nur als Notlösung versteht, spielt Cartagena unter Wert. Rückwärtszüge sind ein zentraler Teil der Strategie und oft die Voraussetzung für starke Vorwärtsphasen.

Ein dritter Fehler ist das Verkleben der Gruppe. Wer alle Piraten ständig auf engstem Raum hält, bekommt zwar gute Rückzugsziele, aber oft zu wenig echte Sprünge. Zu enge Pakete und zu weite Streuung sind beide problematisch. Gute Staffelung ist stärker als extreme Nähe oder extreme Distanz.

Ebenfalls häufig ist der Fehler, Karten nur nach Symbol statt nach Wegwert zu spielen. Eine Karte ist nicht gut, nur weil sie gerade spielbar ist. Sie ist gut, wenn sie einen sinnvollen Sprung, eine gute Gruppendynamik oder eine starke Schlussstruktur erzeugt.

Und schließlich gibt es noch den Endspielfehler: den ersten Piraten zu früh und zu isoliert ins Boot zu schicken. Gerade in Cartagena kann ein scheinbar früher Erfolg am Schluss plötzlich den eigenen Fluss stören.

So spielt sich Cartagena deutlich besser

Wenn du Cartagena stärker spielen willst, helfen ein paar klare Leitlinien. Halte deine Piraten in einer brauchbaren Staffelung, statt einzelne Figuren zu weit wegzuschicken. Plane Rückwärtszüge bewusst ein, statt sie nur dann zu machen, wenn dir die Karten ausgehen. Nutze Felder mit zwei Piraten gezielt als Kartenmotor. Und denke im Endspiel nicht nur daran, wer zuerst das Boot sieht, sondern wie der Rest deiner Gruppe danach noch nachkommt.

Außerdem lohnt sich ein ruhiger Blick auf die Symbolfolge des aktuellen Plans. Da die Planteile immer neu zusammengesetzt werden, verändert sich von Partie zu Partie, welche Felder besonders gute Sprünge ermöglichen und wo Engstellen entstehen. Gute Cartagena-Spieler lesen deshalb nicht nur ihre Hand, sondern auch den konkreten Weg.

Nicht zuletzt ist Geduld oft stärker als Aktionismus. Es gibt Züge, in denen ein scheinbar kleiner Rückschritt die Voraussetzung für zwei sehr starke Folgezüge schafft. Wer diese Momente erkennt, gewinnt deutlich häufiger.

Häufige Fragen zu Cartagena

Wie gewinnt man Cartagena?

Gewonnen hat, wer als Erste oder Erster alle sechs eigenen Piraten ins Boot bringt. Das ist die zentrale Siegbedingung des Spiels. 

Wie bewegt man eine Figur nach vorne?

Du spielst eine Symbolkarte aus und setzt einen eigenen Piraten auf das nächste freie Feld mit genau diesem Symbol. Besetzte passende Felder werden übersprungen. 

Wozu dienen Rückwärtszüge?

Mit Rückwärtszügen nimmst du neue Karten auf. Ziehst du auf ein Feld mit einem Piraten zurück, erhältst du eine Karte. Ziehst du auf ein Feld mit zwei Piraten zurück, erhältst du zwei Karten. 

Sind Rückwärtszüge schlecht?

Nein, ganz im Gegenteil. Sie sind ein zentraler Teil der Spielstrategie. Ohne gute Rückwärtszüge fehlt dir sehr schnell das Kartenmaterial für starke Vorwärtszüge.

Wie viele Piraten dürfen auf einem Feld stehen?

Durch die Rückwärtsregel entstehen nie mehr als drei Piraten auf einem Feld. Beim Rückwärtsziehen werden Felder mit drei Piraten übersprungen. 

Ist es gut, einen Piraten früh weit nach vorne zu schicken?

Manchmal, aber oft nicht. Ein einzelner weit vorausliegender Pirat kann deine Gruppenstruktur und deinen Kartenfluss verschlechtern. Meist ist eine gut gestaffelte Gruppe stärker.

Gibt es verschiedene Varianten von Cartagena?

Ja. Besonders bekannt sind etwa Jamaika- und Tortuga-Varianten, die vor allem mit offenem oder verdecktem Informationsstand arbeiten. Je nach Ausgabe unterscheiden sich Details leicht. 

Wie viele Spieler können mitspielen?

Cartagena ist für 2 bis 5 Spieler ausgelegt. 

Wann ist ein Rückwärtszug besonders stark?

Vor allem dann, wenn du auf ein Feld mit zwei Piraten zurückziehen kannst und dafür zwei neue Karten bekommst. Solche Züge halten deinen Motor stabil.

Was ist der wichtigste Einsteigertipp?

Verstehe Rückwärtszüge nicht als Rückschlag, sondern als Werkzeug. Sobald dieser Gedanke sitzt, wird Cartagena sofort klarer und strategischer.

Fazit

Wie man Cartagena spielt, ist schnell erklärt. Wie man Cartagena gut spielt, zeigt sich erst nach ein paar Partien. Genau darin liegt die Stärke des Spiels. Die Regel ist extrem zugänglich, aber die Entscheidungen sind erstaunlich fein. Du jonglierst mit Gruppenstellung, Sprungfeldern, Kartenwirtschaft und Endspieldynamik, ohne dass das Spiel dabei jemals überladen wirkt.

Besonders stark ist Cartagena dann, wenn du aufhörst, Vorwärts- und Rückwärtszüge als Gegensätze zu sehen. Das Spiel lebt gerade davon, dass beides zusammengehört. Ein guter Rückwärtszug ist oft der Beginn eines guten Vorwärtsplans. Eine gute Piratengruppe ist nicht die schnellste, sondern die am besten funktionierende.

Wer Cartagena besser spielen will, sollte deshalb weniger nach dem größten Einzelzug suchen und stärker auf Rhythmus, Staffelung und Kartenfluss achten. Dann wird aus einem scheinbar kleinen Laufspiel ein erstaunlich elegantes Taktikspiel, das auch nach vielen Partien noch sehr sauber funktioniert.

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